Klimaneutral Wohnen: Geht das überhaupt?

01.02.2016
THG-Emissionen pro Person und Jahr in der Bundesrepublik Deutschland 2015
THG-Emissionen pro Person und Jahr in der Bundesrepublik Deutschland 2015 (Quelle: [4])

Ein Beitrag von: Uwe Nischwitz

Unter »Klimaneutral Wohnen« versteht man im Allgemeinen, dass durch den eigenen Energieverbrauch und die eigene Mobilität möglichst wenig oder besser gar keine Kohlendioxid- (CO2- ) bzw. Treibhausgas-Emissionen (THG-) entstehen. Aber ist das überhaupt möglich? In diesem Beitrag werden die Hintergründe beschrieben, wieso in unserem Alltag eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen dringend notwendig ist. Weiterhin werden Anregungen und Ideen gegeben, was jede und jeder Einzelne dafür tun kann und was die WOGENO in diesem Bereich bereits an Aktivitäten entwickelt hat bzw. in Zukunft entwickeln wird.

 

»Business as usual« und ein bisschen kompensieren

Das Umweltbundesamt hat im Sommer 2015 die Broschüre »Klimaneutral Leben« neu aufgelegt [1]. Anhand der Darstellung des Alltags von fünf Personen mit unterschiedlichen Lebensstilen wird aufgezeigt, wie leicht und ohne Einschränkungen ein »Klimaneutrales Leben« möglich sein soll. Beim Durchblättern der Broschüre fällt auf, dass je höher die »berufliche Performance« und das Einkommen der einzelnen Person ausfällt, desto höher ist ihr Treibhausgas-Ausstoß und desto eher wird die Kompensation von Treibhausgasen zum Mittel der Wahl, damit der eigene »High-Speed« Lebensstil beibehalten werden kann. Kompensation ist wichtig bei dem Anteil der THG-Emissionen, welche anders nur schwer vermieden werden können. Wichtiger ist es aber bereits im Vorfeld anzusetzen: Bei der Vermeidung des Treibhausgas-Ausstoßes und dies beinhaltet eine Veränderung des eigenen Lebensstils und der Konsumgewohnheiten. Lesenswert ist die Broschüre »Klimaneutral Leben« allemal, zeigt sie doch die ganze Palette von Möglichkeiten zur Einsparung von Treibhausgas-Emissionen auf.

Wir heizen schon Mal ein

Klimaforscherinnen und Klimaforscher sind sich einig, dass die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels in einer 2°C wärmeren Welt von der Menschheit gerade noch beherrschbar sein werden. Hans-Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und Architekt der 2°C-Leitplanke hat ausgerechnet, wie viel CO2-Emissionen weltweit aus der Verbrennung von fossilen Rohstoffen noch in die Erdatmosphäre gelangen dürfen um diese Grenze einzuhalten. Es handelt sich um ca. 750 Milliarden Tonnen CO2. Derzeit werden jährlich weltweit ca. 36 Milliarden Tonnen CO2 in die Erdatmosphäre emittiert. Davon verbleiben ca. 20 Milliarden Tonnen in der Atmosphäre. Die Differenz wird von den Ozeanen und von der Pflanzendecke absorbiert. An Hand dieser Zahlen lässt sich leicht abschätzen, wann dieses Limit erreicht sein wird [2].

Ganz schön üppig

Die durchschnittliche Bundesbürgerin bzw. der durchschnittliche Bundesbürger emittiert pro Jahr ca. 11 Tonnen THG bzw. CO2-Äquivalente in die Atmosphäre, welche aus der direkten bzw. indirekten Verbrennung von fossilen Rohstoffen resultieren [3]. Dies geschieht im Bereich »Energie« für Strom und Heizung zu ca. 24%, im Bereich »Mobilität« für Pkw, öffentlicher Nahverkehr, Bahn oder Flugzeug zu ca. 23%, im Bereich »Ernährung« zu ca. 13% sowie im Bereich »Konsum« zu ca. 30%. Die restlichen 10% entstehen im »öffentlichen Bereich« und sind dem Umstand geschuldet, dass in einem Industrieland eine moderne Infrastruktur zur Verfügung steht, welche fossile Energie verbraucht [4].

Das rechte Maß finden

Ein rechtes Maß sieht jedoch anders aus und beträgt ca. 2,5 Tonnen pro Person und Jahr, wenn die oben erwähnte 2°C-Leitplanke eingehalten werden soll. Dieses Szenario versucht man aktuell mit verschiedenen Konzepten zu veranschaulichen. Es wird in diesem Zusammenhang vom »CO2-Fußabdruck«, von »Klimaneutral Leben bzw. Wohnen« oder auch vom Konzept der »2000-Watt-Gesellschaft« gesprochen. All diesen Konzepten liegt jedoch zu Grunde, dass der Ausstoß von Treibhausgasen in der Bundesrepublik Deutschland bzw. in den sogenannten Industrie- und Schwellenländern pro Person und Jahr auf ca. 2,5 Tonnen schnellstmöglich reduziert werden muss.

Handeln ist gefragt

Deshalb: Es hilft nichts, weitermachen wie bisher steht außer Frage! Große gemeinsame Anstrengungen zur Einsparung von Treibhausgasen sind angesagt. Klimaverhandlungen auf internationaler Ebene – wie kürzlich in Paris – sind ebenso notwendig, wie Programme zur Einsparung von Treibhausgas-Emissionen auf nationaler und kommunaler bzw. lokaler Ebene. Besonders auf lokaler Ebene können unmittelbare und effektive Maßnahmen große Wirkung zeigen und alle gesellschaftlichen Akteure – privat wie öffentlich oder gewerblich – sind gefragt einen Beitrag zu leisten.

Ansatzpunkte der WOGENO

Die WOGENO hat sich zum Ziel gesetzt, mit nachhaltigen Konzepten zum Klimaschutz im Wohn- und Lebensumfeld beizutragen. Dies geschieht im Bereich »Energie« konkret durch Ausstattung der Gebäude mit dementsprechender Technik, wie z. B. Wärmedämmung der Häuser, energiesparenden Heizungsanlagen, Fotovoltaikanlagen oder auch Blockheizkraftwerken. Gerade beim Zubau von regenerativen Energieerzeugungsanlagen ist die WOGENO sehr stark engagiert. So werden bei jedem Neubau die unterschiedlichen Möglichkeiten zur regenerativen Energieerzeugung genutzt. Im Bereich der »Mobilität« werden derzeit starke Impulse durch Schaffung von Anreizen durch die Genossenschaft, wie z. B. durch Car-Sharing-, E-Bike- oder E-Car-Angebote gesetzt. Elektromobilität birgt den Vorteil der Klimaneutralität wenn der notwendige Strom regenerativ, z. B. in Fotovoltaikanlagen erzeugt wurde. Sowohl der Bereich »Energie« als auch der Bereich »Mobilität« haben das Potential, mittelfristig komplett auf Null gesenkt werden zu können. Dann wären schlagartig schon ca. dreiviertel der Treibhausgas-Emissionen pro Person reduziert.

Jede und jeder kann mitmachen

Bei der »Energie« kann durch Wechsel zu einem Ökostromanbieter unmittelbar die Klimaneutralität beim Stromverbrauch erreicht werden. Durch achtsames Heizen und Lüften oder durch intelligente Regeltechnik kann die notwendige Heizenergie – auch im Altbau – ohne Komfortverlust auf ein Minimum reduziert werden. Bei der »Mobilität« können sich durch den Verzicht auf den eigenen PKW und Umstieg auf das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel erhebliche Einsparpotentiale ergeben. Bleibt am Ende die Flugreise in den Urlaub. Hier können wir uns fragen: „Ist sie wirklich notwendig?“. Letztlich gibt es die Möglichkeit, die übrig gebliebenen Emissionen, welche aus Heizen oder unverzichtbaren Flugreisen resultieren über eine Organisation, wie z. B. »atmosfair« auszugleichen [5].

Es geht also, das »Klimaneutrale Wohnen«. Sein Geheimnis ist eine Frage des Lebensstils – und das mit der »Ernährung« und dem »Konsum«, das bekommen wir auch noch hin.

Beim Konzept der Klimakompensation wird davon ausgegangen, dass es belanglos ist an welchem Ort unseres Planeten Treibhausgase emittiert werden. Dementsprechend kann man den Ausstoß einer bestimmten Menge an Treibhausgasen, welche an einem Ort der Welt nicht vermieden werden, an einem anderen Ort der Welt verhindern. Dies geschieht durch individuelle Ausgleichszahlungen an Klima- oder Umweltschutzprojekte über einen Kompensationsdienstleister, wie z. B. »atmosfair«.

[1] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/klimaneutral_leben_4.pdf
[2] http://www.wbgu.de/sondergutachten/sg-2009-budgetansatz
[3] In diesem Artikel werden THG-Emissionen und CO2-Äquivalente der Einfachheit halber synonym und daher unscharf verwendet. Zu den Unterschieden siehe z. B.: http://www.klimaktiv.de/lexikon-43.html
[4] http://uba.klimaktiv-co2-rechner.de/de_DE/page
[5] http://www.atmosfair.de

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